DREIZEHNTE SAMMLUNG DER NOVELLEN
ebook

DREIZEHNTE SAMMLUNG DER NOVELLEN (ebook)

PAUL HEYSE

$39.70
IVA incluido
Editorial:
OTBEBOOKPUBLISHING
ISBN:
9783988265562
Formato:
Epublication content package
DRM
Si

Auszug: "Vor Jahren, in einer Schweizer Pension, wo ich einige Wochen des heißesten Sommers zubrachte, fiel mir unter den gleichgültigen Gesichtern, die sich um die Mittagstafel reihten, gleich am ersten Tage eine kleine alte Dame auf, deren schwarze Augen wenig nach rechts und links schweiften, sondern, wenn sie nicht auf ihren Teller gerichtet waren, unverwandt die graue Bergwand draußen zu betrachten schienen. Diese Augen waren das einzig Schöne in dem unscheinbaren, welken Gesicht und milderten mit ihrer sanften Ruhe den Ausdruck von herber Verschlossenheit, der die scharfgeschnittenen schmalen Lippen und die ungewöhnlich hohe Stirn unter den spärlichen grauen Haaren nicht eben anziehender machte. Zu ihrer Rechten saß ein tauber alter Holländer, zu ihrer Linken ein nicht mehr junges Fräulein, das ihre Gesellschafterin zu sein schien. Nur an diese richtete sie hin und wieder ein halblautes Wort, mehr, wie es schien, um ihr gegenüber vor den Andern nicht unfreundlich zu erscheinen, als aus innerem Bedürfniß; denn es kam nie zu einem längeren Gespräch. Sie hatte ein Schüsselchen neben ihrem Gedeck, in welchem kleine Eisstückchen schwammen. Von Zeit zu Zeit, selbst während des Essens, griff sie mit drei Fingern ihrer kleinen, noch jugendlich zarten Hand hinein, fischte eines der glatten Krystallkügelchen heraus und führte es zum Munde, wie ein Kind bei Tische zwischendurch Bonbons nascht."

Otros libros del autor

  • CRONE STÄUDLIN
    PAUL HEYSE
    Auszug: "Im waldigsten Teile eines mitteldeutschen Berglandes einige hundert Meter über dem offenen Talgrunde erhöht, breitet sich eine große ebene Grashalde aus, wie eine freie Stufe, auf der der Berg vor seinem weiteren Anstieg sich ausgeruht hat. Hier hatten vor langen Jahren die Ackerbürger, die das unten gelegene alte Städtchen bewohnten, ihr Vieh übersommert, bis der Reic...

    $39.70

  • GEGEN DEN STROM
    PAUL HEYSE
    Auszug: "Es war zu Anfang der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Am Nachmittag eines heiteren Apriltages fuhr der alte gelbangestrichene Omnibus des Gasthofs »Zum blauen Engel« von dem Stationshäuschen der Lokalbahn nach der kleinen Stadt Windheim, die in einer weitgedehnten Tiefebene seit Menschengedenken weltentrückt sich eines idyllischen Daseins erfreute. Ein breiter ...

    $39.70

  • HELLDUNKLES LEBEN
    PAUL HEYSE
    Auszug: "So oft ich in früheren Jahren nach Berlin kam, versäumte ich nie, auch wenn mein Aufenthalt nur kurz bemessen war, einen Abend im Hause des Componisten Richard Wüerst zuzubringen. Wüerst hatte einen Operntext componiert, den mein Freund Ernst Wichert nach meiner chinesischen Novelle in Versen »Die Brüder« ihm verfaßt hatte. Der neue Titel lautete »Der Stern von Turan«,...

    $39.70

  • VICTORIA REGIA UND ANDERE NOVELLEN
    PAUL HEYSE
    Auszug: "Es ging laut und lustig zu in der kleinen Stadt unten am Rhein. Die Nacht war längst hereingebrochen. Die Thurmuhr in der alten Stadtkirche hatte neun Schläge gethan, die Stunde, in der sonst die Bewohner des Städtchens ihre Lichter auszulöschen und an die Nachtruhe zu denken pflegten. Heut aber regte sich noch in der Hauptstraße ein munteres Leben. Junge Mädchen, zu v...

    $39.70

  • DER NOVELLEN ZEHNTE SAMMLUNG
    PAUL HEYSE
    Auszug: "Nur einen Tag hatte ich droben in den Bergen bleiben wollen, und aus dem einen Tag wurden zwei Wochen, die mir in dem hochgelegenen, verfallenen Nest auf der Grenze des Albaner- und Sabinergebirgs – den Namen darf ich nicht nennen – rascher vergingen, als oft im bunten Getümmel großer Städte. Was ich eigentlich den lieben langen Tag anfing, wüßte ich kaum zu sagen. In ...

    $39.70

  • SECHZEHNTE SAMMLUNG DER NOVELLEN
    PAUL HEYSE
    Auszug: "In einer ansehnlichen norddeutschen Stadt lebte ein sehr einsamer Mensch. Er hatte weder Feinde noch Freunde, und mit seinem eigenen Ich stand er nicht auf dem besten Fuß, obwohl er sich im Grunde nichts Anderes vorzuwerfen hatte, als daß er sich selbst nicht sonderlich liebenswürdig fand. Dies hielt ihn auch ab, sich Solchen, die ihm wohlwollten, freundschaftlich zu n...

    $39.70